Leiter anstellen: Der Winkel, an dem die meisten Stürze hängen

Eine Aluminium-Anlegeleiter steht steil an einer verputzten Hauswand, mit einem Gurt am oberen Ende gegen Ausgleiten gesichert. Sie ragt etwa einen Meter über die Dachrinne hinaus, der Leiterfuß steht auf gepflastertem Boden.
KI-generierte Illustration (Higgsfield, GPT Image 2.5) · heimwerken.at

Sturz und Absturz sind die häufigste Unfallursache überhaupt, und die Leiter ist daran überdurchschnittlich beteiligt. Nicht, weil Leitern gefährlich wären, sondern weil sie so harmlos aussehen, dass man sie in zwei Sekunden anstellt und hinaufsteigt.

Der Winkel

Für Anlegeleitern nennen die österreichischen Regeln einen engen Bereich: 68 bis 75 Grad, also rund 70. Das klingt nach Messen, ist aber eine Handbewegung.

Die Ellenbogenprobe: Stell dich mit den Fußspitzen an den Leiterfuß und strecke den Arm waagrecht nach vorn. Die Sprosse auf Schulterhöhe soll gerade erreichbar sein. Musst du dich strecken, steht die Leiter zu flach. Kommst du weit darüber hinaus, steht sie zu steil.

Beides hat eine eigene Art zu enden. Zu flach: Der Fuß rutscht weg, die Leiter fährt nach unten. Zu steil: Sie kippt nach hinten – meist genau dann, wenn man oben ankommt und das Gewicht nach hinten verlagert.

Was die Regeln sonst verlangen

  • Mindestens einen Meter Überstand über die Austrittsstelle. Ohne diesen Meter fehlt der Griff genau dort, wo man ihn braucht – beim Übersteigen.
  • Gegen Ausgleiten sichern. Einhängen, anbinden, Fußverbreiterung oder eine zweite Person, die die Leiter hält.
  • Einteilige Anlegeleitern höchstens acht Meter.
  • Ab fünf Metern Absturzhöhe ist das Arbeiten von der Anlegeleiter nur mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz zulässig – oder mit besonderen Sicherungen gegen Umkippen.

Grundlage sind das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz und die Arbeitsmittelverordnung. Das gilt für Beschäftigte; im eigenen Garten steht niemand daneben.

Was privat den Unterschied macht

  • Der Untergrund. Rasen gibt einseitig nach, Schotter rollt, frisch versiegelter oder feuchter Estrich ist rutschig. Ein Brett unter den Leiterfuß kostet nichts.
  • Nicht von den obersten Sprossen arbeiten. Fehlt der Halt für Hüfte und Hände, fehlt die Rückversicherung für den Moment, in dem etwas unerwartet nachgibt.
  • Eine Hand bleibt an der Leiter. Wer für die Arbeit beide Hände braucht, braucht kein besseres Werkzeug, sondern ein anderes Arbeitsmittel: Gerüst, Plattformleiter, Hebebühne.
  • Nicht seitlich hinauslehnen. Die Gürtelschnalle bleibt zwischen den Holmen. Wer weiter muss, steigt ab und stellt um – das dauert zwanzig Sekunden.

Kurz gefasst

  • 68 bis 75 Grad, geprüft mit dem waagrecht ausgestreckten Arm.
  • Einen Meter Überstand, gegen Ausgleiten sichern.
  • Ab fünf Metern Absturzhöhe nur mit Sicherung gegen Absturz.
  • Beide Hände frei heißt: falsches Arbeitsmittel.

Dieser Beitrag gibt den Stand der von uns geprüften Quellen wieder und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

QuelleAUVA, Merkblatt M 023 Leitern · abgerufen am 18.9.2026

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