
Ein Einhebelmischer, der nach dem Zudrehen weitertropft, ist selten kaputt. In den meisten Fällen ist ein einziges Bauteil verschlissen: die Kartusche. Sie ist die Patrone im Inneren der Armatur, in der zwei Keramikscheiben aufeinander gleiten und Menge und Temperatur regeln. Wird die Dichtfläche mit den Jahren rau oder setzt sich Kalk darauf ab, schließt sie nicht mehr sauber.
Zuerst: Woher tropft es?
Die Stelle sagt dir, was zu tun ist. Sieh genau hin, bevor du Werkzeug holst.
- Aus dem Auslauf, bei geschlossenem Hebel. Das ist der klassische Fall – die Kartusche dichtet nicht mehr.
- Unter dem Hebel oder am Sockel, sobald Wasser läuft. Dann sind die Dichtringe der Kartusche oder die Dichtung zwischen Armatur und Waschtisch undicht, nicht die Keramikscheiben.
- Am Schlauchanschluss unter dem Becken. Da hilft die Kartusche nicht. Oft genügt es, die Verschraubung nachzuziehen oder den Panzerschlauch zu tauschen.
- Am Eckventil selbst. Das ist der Absperrhahn an der Wand. Tropft der, ist er dran – nicht die Armatur.
Was du brauchst
- Innensechskantschlüssel, meist 2 oder 2,5 Millimeter, für die Madenschraube im Hebel
- Wasserpumpenzange oder passenden Schlüssel für die Überwurfmutter
- einen kleinen Schraubendreher, um die Abdeckkappe zu lösen
- eine Ersatzkartusche in der richtigen Größe
- Armaturenfett auf Silikonbasis – kein Öl, kein Vaseline-Ersatz
Die gängigen Kartuschendurchmesser sind 35 und 40 Millimeter, es gibt aber auch kleinere. Miss nach dem Ausbau nach, statt vorher zu raten. Am einfachsten ist es, die alte Kartusche mitzunehmen und daneben zu halten – Hersteller und Baujahr der Armatur helfen zusätzlich, stehen aber oft nirgends lesbar.
Schritt für Schritt
- Eckventile zudrehen, beide – warm und kalt. Dann den Hebel einmal öffnen, damit der Restdruck raus ist und das Wasser in der Leitung abläuft.
- Abfluss verschließen oder ein Tuch hineinlegen. Die Madenschraube ist klein und findet den Weg ins Rohr erstaunlich zuverlässig.
- Abdeckkappe abhebeln – meist ein farbiger Punkt vorne oder seitlich am Hebel. Darunter sitzt die Madenschraube.
- Madenschraube lösen, nur so weit, bis der Hebel abgeht. Ganz herausdrehen muss man sie selten.
- Abdeckring und Überwurfmutter abschrauben. Sitzt die Mutter fest, hilft Geduld und ein Tuch zwischen Zange und Chrom – sonst gibt es Kratzer, die bleiben.
- Kartusche herausnehmen. Merk dir, wie herum sie sitzt; die meisten haben eine Führungsnase, die in eine Aussparung greift.
- Sitz reinigen. Kalkreste mit Essig und einem weichen Tuch abnehmen, nicht kratzen.
- Neue Kartusche einsetzen, Führungsnase beachten, Dichtringe dünn mit Armaturenfett einstreichen.
- Zusammenbauen, Überwurfmutter handfest plus eine Achtelumdrehung – nicht mit Kraft.
- Eckventile langsam öffnen und eine Minute beobachten, bevor du das Werkzeug wegräumst.
Wo die Grenze liegt
Drei Fälle, in denen du aufhören solltest:
- Das Eckventil lässt sich nicht schließen oder tropft danach selbst. Alte Ventile setzen sich fest und reißen beim Drehen. Dann braucht es die Absperrung der Steigleitung – und die ist in einem Mehrparteienhaus nicht deine.
- Unterputzarmaturen. Was in der Wand sitzt, hat eine andere Bauweise und oft herstellerspezifische Werkzeuge.
- Mietwohnung. Die Instandhaltung der Armatur ist in der Regel Sache des Vermieters. Reparierst du selbst und es geht schief, wird die Frage unangenehm.
Warum sich der Aufwand lohnt
Ein Tropfen im Sekundentakt summiert sich. Bei etwa vier Tropfen pro Sekunde läuft über den Tag eine Menge zusammen, die man in der Jahresabrechnung sieht – und bei einem tropfenden Warmwasserhahn zahlst du zusätzlich fürs Aufheizen.
Dazu kommt der Kalk: Wo ständig Wasser steht und verdunstet, bleibt der Kalk zurück und arbeitet sich in die Dichtfläche. Ein Tropfen, den man ein Jahr lang ignoriert, macht aus einem Kartuschentausch eine neue Armatur.
Wenn du gerade ohnehin im Bad arbeitest: Die Silikonfuge zu erneuern ist die Arbeit, an der sich Geduld am deutlichsten auszahlt. Und falls es nicht der Hahn, sondern der Ablauf ist, steht in verstopfter Abfluss ohne Chemie, warum der Chemiereiniger meist die schlechteste Wahl ist.