
Ein Werkstattregal aus Konstruktionsholz hält fast immer – am ersten Tag. Nach einem Jahr hängen die Böden vorn zwei Millimeter tiefer als hinten, und eine Schraube steht ein Stück aus dem Riegel. Holz ist dabei selten das Problem. Das Problem ist, dass die ganze Last an Schrauben hängt, die quer belastet werden.
Dieses Regal macht es anders. Jeder Riegel sitzt in einer 20 Millimeter tiefen Ausklinkung im Pfosten und liegt dort auf einer Holzschulter auf. Die Schraube hält ihn nur in Position, tragen muss sie nichts. Dazu kommt eine zweite Sache, die bei fast jedem selbstgebauten Regal fehlt, obwohl sie wichtiger ist als die erste: die Befestigung an der Wand.
Was du brauchst
Material
Das Regal ist 1.800 mm hoch, 1.000 mm breit und 400 mm tief und hat vier Böden. Alle Holzteile haben denselben Querschnitt, 60 × 40 mm – das macht den Einkauf einfach und die Rechnung übersichtlich.
- 4 Pfosten, Konstruktionsholz 60 × 40 × 1.800 mm, die 60er-Seite in die Tiefe gestellt
- 8 Längsriegel, 60 × 40 × 1.000 mm, hochkant eingebaut
- 4 Seitenriegel, 60 × 40 × 360 mm, flach innen an die Pfosten geschraubt
- 4 Böden, OSB/3 oder Dreischichtplatte, 18 × 400 × 1.000 mm
- 48 Schrauben 5 × 70 mm für Riegel und Seitenriegel, 24 Schrauben 4 × 40 mm für die Böden
- 2 Stahlwinkel, etwa 60 × 60 mm, mit Schrauben und Dübeln passend zur Wand
Zusammen sind das knapp 17 laufende Meter Holz. Konstruktionsvollholz ist technisch getrocknet und verzieht sich deutlich weniger als frische Dachlatten – für ein Regal, an dem jede Ausklinkung passen muss, ist das der eigentliche Grund für das Material.
Werkzeug
Handkreissäge oder Kappsäge, Stichsäge für die Ecken der Böden, Stemmeisen 20 mm und Hammer, Akkuschrauber, Holzbohrer 3 mm zum Vorbohren, Bohrmaschine für die Wand, Anschlagwinkel, Zollstock, Wasserwaage.
Die Ausklinkungen: wo die Last wirklich hingeht
Jeder Pfosten bekommt vier Ausklinkungen, 20 mm tief und genau so hoch wie der Riegel. Die Oberkanten liegen bei 150, 700, 1.250 und 1.800 mm vom Boden – die oberste ist also zum Pfostenkopf hin offen. Der Abstand von 550 mm lässt zwischen zwei Böden rund 530 mm Platz, an der Vorderkante unter dem Riegel noch etwa 470.
So entsteht die Ausklinkung: Säge auf 20 mm Schnitttiefe einstellen, die beiden Begrenzungsschnitte setzen, dazwischen im Abstand von etwa fünf Millimetern weitere Schnitte. Die Stege bricht man mit dem Stemmeisen heraus und putzt den Grund glatt. Für 16 Ausklinkungen ist das eine Stunde Arbeit.
Miss die Höhe am Riegel, nicht am Etikett. Konstruktionsholz hat Maßtoleranzen; ein Riegel, der 61 statt 60 mm hoch ist, klemmt in einer 60er-Ausklinkung oder sprengt sie. Leg den Riegel an den Pfosten und reiß an ihm an.
Warum der Aufwand? Ein aufgeschraubter Riegel trägt seine Last über die Schrauben, und die werden dabei auf Abscheren beansprucht. Sie drücken sich mit der Zeit ins Holz, das Loch wird oval, der Riegel sackt. In der Ausklinkung liegt er dagegen Holz auf Holz auf. Die 60 mm tiefen Pfosten behalten an der Ausklinkung 40 mm Fleisch – für die Drucklast eines Regals mehr als genug.
Seitenrahmen bauen, dann verbinden
Zuerst entstehen die beiden Seitenrahmen, flach auf dem Boden: je ein vorderer und ein hinterer Pfosten, verbunden durch zwei Seitenriegel ganz unten und ganz oben. Die Seitenriegel liegen flach innen an den Pfosten, ihre Oberkante bündig mit der Ausklinkung. Zwei Schrauben je Pfosten, vorgebohrt. Prüf den Rahmen über die Diagonalen: Sind beide gleich lang, ist er rechtwinklig.
Dann stehen beide Rahmen auf, und die Längsriegel kommen in die Ausklinkungen – erst der unterste und der oberste, dann die mittleren. Je Anschluss zwei Schrauben 5 × 70 mm: 40 mm stecken im Riegel, 30 im Pfosten. Länger sollten sie nicht sein, sonst kommen sie hinten aus dem ausgeklinkten Pfosten heraus.
Zum Schluss die Böden. Die drei unteren bekommen an allen vier Ecken eine Ausklinkung von 40 × 80 mm, damit sie um die Pfosten herum auf die Riegel passen. Der oberste Boden liegt auf den Pfostenköpfen und bleibt ganz. Jeder Boden wird mit sechs Schrauben auf die Riegel geschraubt – das ist mehr als Befestigung: Die verschraubte Platte steift das Regal gegen seitliches Verschieben aus.
Die Kippsicherung: oben, nicht unten
Hier liegt der Teil, der beim Selberbauen am häufigsten fehlt. Das leere Regal wiegt mit OSB-Böden rund 35 kg und steht auf 400 mm Tiefe bei 1.800 mm Höhe. Zieht man oben vorn daran, dreht es sich um die vordere Unterkante. Rechnerisch genügen dafür knapp vier Kilogramm Zugkraft – das ist ein Kind, das sich am obersten Boden hochzieht, oder ein Werkstück, das man aus dem obersten Fach zerrt.
Deshalb kommen die beiden Stahlwinkel an den obersten hinteren Riegel und von dort in die Wand. Unten angebracht nützen sie fast nichts: Je weiter oben die Befestigung sitzt, desto größer ist ihr Hebel gegen das Kippen. Steht das Regal wegen einer Sockelleiste ein Stück von der Wand ab, füllt ein Holzklotz in genau dieser Stärke den Spalt hinter dem Winkel – sonst zieht die Schraube das Regal schief.
Welcher Dübel in welche Wand gehört, entscheidet der Untergrund, nicht das Regal. Ein Probebohrloch an unauffälliger Stelle zeigt es: grauer, harter Staub bei Beton, roter Staub und ein durchsackender Bohrer bei Hohlziegel.
Was schiefgeht
Der Boden ist uneben, und die Wandschraube soll es richten. Steht das Regal auf drei Beinen und wird dann an die Wand gezogen, verwindet es sich, und die Böden liegen nicht mehr satt auf. Erst mit Keilen unter den Pfosten lotrecht ausrichten, dann befestigen.
Die Ausklinkung wird zu tief. 25 statt 20 mm klingen nach wenig, lassen dem Pfosten aber nur noch 35 mm – und die Schraube von 70 mm schaut hinten heraus. Säge auf Probe einstellen und an einem Reststück messen.
Die Spannweite wird einfach verlängert. Bei 1.000 mm Breite biegt sich ein Riegel unter 80 kg Last je Boden rechnerisch um rund einen halben Millimeter durch. Bei 1.500 mm und gleicher Last pro Meter sind es knapp drei Millimeter – die Durchbiegung wächst mit der vierten Potenz der Spannweite –, und der 18-mm-Boden hängt zusätzlich durch. Wer breiter bauen will, baut zwei Regale nebeneinander.
Wofür es sich lohnt
Ein Regal aus einem einzigen Querschnitt, ohne Beschläge außer zwei Winkeln, an einem Tag gebaut. Es lässt sich in der Höhe frei anpassen – die Ausklinkungen sind nur Anrisse am Pfosten, die Fachhöhen bestimmst du selbst. Und es hat eine Eigenschaft, die man einem gekauften Steckregal selten nachsagen kann: Nach Jahren sitzt jeder Riegel noch dort, wo er am ersten Tag saß.